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Funktionsweise

Warum ein halber Millimeter wirken kann.

Die Antwort steht in der Physik der Wärmeübertragung, nicht im Prospekt. Wer sie kennt, versteht auch, wo die Grenze des Verfahrens liegt.

0,1 – 100 µmWellenlänge der Wärmestrahlung
rund 93 %Rückstrahlung TSR nach ASTM E903
0,50 mmSchichtdicke
Prinzip
01 / Das Prinzip

Bremsen oder zurückwerfen.

Zwei Wege, denselben Wärmestrom aufzuhalten — mit sehr unterschiedlichem Platzbedarf.

Die Dämmplatte bremstSie stellt dem Wärmestrom Widerstand entgegen und verzögert ihn. Je länger der Weg, desto größer der Widerstand — deshalb braucht sie Dicke. Zwanzig Zentimeter sind kein Schönheitsfehler, sondern die Funktionsweise selbst. Auf die Strahlung an der Oberfläche wirkt sie kaum: Ihr Emissionsgrad bleibt hoch, der Wärmeübergang an der Oberfläche unverändert.
Die Sphärenschicht senkt den EmissionsgradIn der Beschichtung sitzen mikroskopisch kleine Hohlkugeln mit Vakuum im Inneren. Das Vakuum unterbindet die Gaswärmeleitung im Hohlraum — Kugelschale, Bindemittel und Kontaktstellen leiten weiterhin, deshalb ist die Schicht kein Vakuumdämmpaneel. Ihr Beitrag liegt an der Oberfläche: Die Gesamtreflexion im Sonnenspektrum beträgt rund 93 % nach ASTM E903, gemessen am Produkt des Herstellers.

Zwei Wirkungen, zwei Orte

Sommer und Winter sind nicht dieselbe Sache, auch wenn beide mit Strahlung zu tun haben. Außen wirkt die hohe Solarreflexion: Die Fassade nimmt weniger Sonnenenergie auf und heizt sich weniger auf. Innen wirkt der niedrige Emissionsgrad: Die Raumseite gibt weniger Wärme an die Wand ab.

Das sind zwei verschiedene spektrale Eigenschaften an zwei verschiedenen Stellen des Bauteils. Eine Außenbeschichtung wirft die Wärme des Innenraums nicht zurück — sie müsste dazu erst durch die ganze Wand. Wer beide Wirkungen will, beschichtet beide Seiten. Genau deshalb gibt es System Outside und System Inside.

Und wo die Grenze liegt

Strahlung ist der größte, aber nicht der einzige Anteil. Wärmebrücken, undichte Fugen und Luftwechsel bleiben, was sie sind — sie werden von keiner Beschichtung behoben. Wo ein Hohlraum vorhanden ist, gehört er gefüllt; wo Platz für einen Dämmaufbau ist, ist der meist günstiger. Diese Schicht ist die Antwort auf die Fälle, in denen beides nicht geht.

Makroaufnahme der Vakuum-Sphären in der Beschichtung
Aufbau Hohlkugeln mit Vakuum

Die Sphären liegen dicht an dicht in der Bindemittelmatrix. Ihre Größe liegt weit unter der eines menschlichen Haares.

Wärme und Kälte sind keine Gegensätze.

Physikalisch gibt es keine Kälte. Es gibt nur Wärme höherer oder niedrigerer Temperatur — Kälte ist die Abwesenheit von Wärme. Das klingt nach Wortklauberei, ist aber der Schlüssel zum Verständnis.

Denn wenn es nichts gibt, was „hereinkäme“, dann geht es beim Dämmen immer nur darum, den Weg der Wärme nach draußen zu behandeln. Und dieser Weg hat drei Formen: Leitung, Strömung und Strahlung.

Welcher der drei Wege überwiegt, hängt davon ab, wo man hinsieht. Im Inneren eines massiven Bauteils — durch Ziegel, Beton oder eine Dämmplatte — wandert Wärme fast ausschließlich durch Leitung. Genau deshalb braucht ein Dämmstoff Dicke.

An der Oberfläche, dort wo das Bauteil an Luft grenzt, ist es anders. Dort teilt sich der Wärmeübergang in Konvektion und Strahlung, und die Strahlung trägt den größeren Teil: Nach EN ISO 6946 entfallen bei einer üblichen Bauteiloberfläche rund zwei Drittel des Wärmeübergangs auf Strahlung, ein Drittel auf Konvektion.

Diese Strahlung liegt bei Bauteiltemperatur im langwelligen Infrarot. Jeder Körper sendet sie abhängig von seiner Temperatur aus, jede Sekunde, in alle Richtungen. An dieser Stelle — und nur an dieser — setzt eine reflektierende Schicht an.

Was das für unsere Systeme heißt

  • Die Farbe entscheidet nicht. Wirkung und Aussehen liegen in verschiedenen Teilen des Spektrums. Eine dunkle Fassade kann besser zurückwerfen als eine helle.
  • Zwei Seiten, zwei Aufgaben. Außen hält die hohe Solarreflexion die Sonne ab, innen senkt der niedrige Emissionsgrad die Wärmeabgabe an die Wand. Das sind verschiedene Eigenschaften — deshalb gibt es Outside und Inside getrennt.
  • Deshalb genügen 0,50 mm. Wer Strahlung an der Oberfläche zurückwirft, braucht keine Dicke — die braucht nur, wer sie unterwegs bremsen will.
  • Und deshalb hat es eine Grenze. Wo Wärme überwiegend geleitet wird — im Bauteilinneren, an durchgehenden Betonteilen — hilft Reflexion wenig. Dort rechnen wir mit Ihnen den Aufbau durch.
Spektrum von 0,1 bis 100 Mikrometern: links Ultraviolett, in der Mitte das sichtbare
Licht zwischen 0,38 und 0,78 Mikrometern, rechts Infrarot. Die Kurve zeigt, dass ein
Bauteil bei 20 Grad Celsius sein Strahlungsmaximum bei 9,9 Mikrometern hat.
Spektrum Wo die Wärme sitzt

Das sichtbare Licht ist ein schmaler Streifen. Was ein Gebäude an Wärme abgibt, liegt weit rechts davon: bei 20 °C im Maximum bei 9,9 µm. Deshalb sagt die Farbe einer Oberfläche nichts über ihre Wärmewirkung.

Zwei Zahlen, zwei Richtungen — und warum beide stimmen

In den Unterlagen stehen zwei Reflexionswerte, die leicht zu verwechseln sind. Sie beschreiben zwei verschiedene Vorgänge, an zwei verschiedenen Stellen des Spektrums.

Von außen hereinSommer

rund 93 %TSR nach ASTM E903

Die Sonne strahlt zwischen 0,3 und 2,5 µm. Dieser Bereich zerfällt in drei Teile, und alle drei tragen Energie:

  • Ultraviolett0,3 bis 0,38 µm · rund 5 % der Energie
  • Sichtbares Licht0,38 bis 0,78 µm · rund 43 %
  • Nahes Infrarot0,78 bis 2,5 µm · rund 52 %

Ja, das Ultraviolett wird mitreflektiert. Der TSR-Wert ist ein Gesamtwert über das ganze Sonnenspektrum — die Messung nach ASTM E903 fährt die Wellenlängen einzeln ab und gewichtet sie mit dem Anteil, den die Sonne dort liefert. Die 93 % schließen UV also ein. Das ist auch der Grund, warum die Schicht die Fassade vor Versprödung schützt: Was zurückgeworfen wird, kann den Untergrund nicht angreifen.

Von innen hinausWinter

88 bis 95 %im langwelligen Infrarot

Eine Wand bei 20 °C strahlt zwischen etwa 5 und 50 µm, mit dem Maximum bei 9,9 µm. Das ist zwanzigmal länger als das Maximum der Sonne — ein ganz anderer Teil des Spektrums.

Hier geht es nicht um Sonnenlicht, sondern um die Wärme, die der Raum selbst abgibt. Sie fällt auf die beschichtete Fläche und wird größtenteils in den Raum zurückgeworfen, statt in das Mauerwerk zu laufen. Deshalb wirkt dieselbe Schicht im Winter nach innen und im Sommer nach außen.

Warum sich die beiden Bereiche nicht überschneiden: Je heißer ein Körper, desto kurzwelliger strahlt er. Die Sonne hat rund 5.500 °C, eine Wand 20 °C. Zwischen 2,5 und 5 µm liegt praktisch nichts — darum die Lücke in der Grafik.

Beide Werte sind Herstellerangaben. Der TSR-Wert von 93,03 % für System Outside steht im Produktdatenblatt; gemessen wurde nach ASTM E903 am Institut für Polymerwerkstofftechnik und Farbstoffe in Toruń. Der langwellige Wert ist eine Angabe des Herstellers ohne eigenes Prüfzeugnis; wir weisen ihn deshalb als solche aus.

Einwand
02 / Der häufigste Einwand

„Das ist doch nur weiße Farbe.“

Der Satz fällt regelmäßig, meistens sinngemäß so: Eine helle Beschichtung reflektiere eben, wie weiße Farbe auf einem dunklen Blech — und darunter werde es trotzdem warm. Der Einwand ist wirksam, weil er zur Hälfte stimmt.

Was daran richtig ist

Weiße Farbe reflektiert Sonnenstrahlung. Eine helle Fassade wird in der Sommersonne weniger heiß als eine dunkle — das ist Bauphysik und kein Verkaufsargument. Wer eine dunkle Fassade hell streicht, tut damit tatsächlich etwas gegen den sommerlichen Wärmeeintrag.

Wo der Vergleich auseinanderfällt

Er endet an der Sonne. Nachts reflektiert eine weiße Fassade nichts, weil nichts einfällt. Im Winter ebenso wenig. An der Nordseite ebenso wenig. Und im Innenraum, wo nie Sonne hinkommt, schon gar nicht.

Der Wärmestrom von innen nach außen läuft aber genau dann — Tag und Nacht, Nord wie Süd, das ganze Jahr. Das ist der Strom, um den es beim Dämmen geht.

Zwei Bereiche, zwei Messgrößen

Sonnenstrahlung0,3 bis 2,5 µm, Maximum bei 0,5 µm
Bauteil bei 20 °Cetwa 5 bis 50 µm, Maximum bei 9,9 µm

Zwischen beiden liegt mehr als eine Zehnerpotenz. Eine Oberfläche kann im einen Bereich hell und im anderen dunkel sein — deshalb misst man beides getrennt.

Und deshalb steht in den Unterlagen Verschiedenes: Für eine Fassadenfarbe wird ein Hellbezugswert angegeben, eine Aussage über sichtbares Licht. Für diese Beschichtung deklariert der Hersteller einen äquivalenten Wärmedurchlass­widerstand von 5,7 m²K/W bei 0,50 mm, gestützt auf eine Untersuchung der TU Łódź.

Was wir dazu offen sagen. Dieser Wert ist eine Herstellerdeklaration, keine Prüfung nach EN 12667 und kein Material-λ. Eine unabhängige Prüfung durch ein deutsches Prüfinstitut ist vorgesehen; bis sie vorliegt, führen wir die Zahl als das, was sie ist. Wer sie für eine Ausschreibung oder einen Förderantrag braucht, sollte das wissen — und wir sagen es lieber vorher als hinterher.

Die Probe aufs Exempel

Wer den Vergleich für zulässig hält, kann ihn nachrechnen. Tragen Sie im Bauteilrechner eine Wand ein und legen Sie einmal 0,1 mm Fassadenfarbe darauf, einmal die Beschichtung. Bei der Farbe ändert sich der U-Wert in der dritten Nachkommastelle. Bei der Beschichtung ändert er sich sichtbar.

Genau das unterscheidet die beiden: nicht die Farbe, sondern ob unter der Oberfläche etwas ist, das den Wärmestrom aufhält. Bei Farbe ist da Bindemittel und Pigment. Hier sind es Hohlkörper mit Vakuum — und wo nichts ist, kann nichts leiten.

Dieselbe Wand, drei Oberflächen

Sommertag, 30 °C Außenluft, 800 W/m² auf die besonnte Fassade. Der Rechenweg steht in EN ISO 6946:

θse = θe + as · I · Rse

OberflächeasOberflächentemperatur
Dunkler Putz, HBW rund 200.8055.6 °C
Heller Putz, HBW rund 800.3039.6 °C
System Outside, TSR 93,03 %0.0732.2 °C

Der U-Wert ist in allen drei Zeilen identisch. Die Farbe ändert nicht den Wärmedurchgang, sondern die Temperatur der Oberfläche — das sind zwei verschiedene Größen. Absorptionsgrade für Putz sind Richtwerte; der Wert 0,07 folgt aus dem Produktdatenblatt System Outside mit TSR 93,03 %.

Sechzehn Kelvin Unterschied zwischen hellem und dunklem Putz sind nicht wenig — und trotzdem ändert sich am Wärmedurchgang durch die Wand nichts. Genau das macht den Vergleich mit weißer Farbe unbrauchbar: er beschreibt eine Größe, um die es beim Dämmen nicht geht.

Was wir dabei nicht behaupten. Die Beschichtung ersetzt keinen Dämmaufbau, wo einer möglich ist. Sie hebt keine Wärmebrücke auf und dichtet keine Fuge. Und sie wirkt nur in der deklarierten Schichtdicke — zu dünn aufgetragen ist sie kein dünneres System, sondern ein anderes Bauteil. Wer Ihnen etwas anderes sagt, verkauft Ihnen dasselbe Missverständnis von der anderen Seite.
Was daraus folgt

Drei Sätze, die den Rest erklären.

Deshalb genügt ein halber MillimeterWeil die Wirkung nicht über die Dicke entsteht, sondern über die Oberfläche. Eine reflektierende Schicht wird nicht besser, wenn man sie dicker macht — sie muss nur geschlossen sein. Genau deshalb ist die Schichtdicke ein Nachweis und kein Spielraum.
Deshalb passt sie auf jede FormWas aufgetragen wird, folgt der Geometrie. Gesimse, Laibungen, Rundbögen, Lichtkuppeln, Rohrleitungen: kein Zuschnitt, kein Stoß, keine Anschlussdetails. Dort, wo eine Platte scharfkantig scheitert, ist das der eigentliche Vorteil.
Deshalb bleibt das Bauteil sichtbarEine halbe Zehntelmillimeter starke Schicht verdeckt keine Struktur. Klinker bleibt Klinker, Naturstein bleibt Naturstein, die Maserung im Holz bleibt lesbar. Das ist der Grund, warum Denkmalbehörden zustimmen.

Schicken Sie uns das Bauteil, nicht die Frage.

Gebäudeart, Baujahr, betroffenes Bauteil, ungefähre Fläche und ein paar Fotos. Damit sagen wir Ihnen, ob die Aufgabe zu unseren Systemen passt, ob sie zu prüfen ist oder ob ein anderer Weg sinnvoller wäre. Auch die dritte Antwort kommt vor.

Kostenlos und unverbindlich

Die Ersteinschätzung

Sie bekommen eine von drei Antworten: passt, ist zu prüfen, oder passt nicht. Die dritte kommt vor — und sie kostet Sie nichts.

1Objekt beschreiben

Bauteil, Baujahr, Fläche, Problem. Fotos helfen mehr als jede Beschreibung.

2Ersteinschätzung

Passt, ist zu prüfen, oder passt nicht. Ohne Kosten.

3Bauteil rechnen

Aufbau und Annahmen in Ubakus modelliert. Sie erhalten den Rechenweg.

4System festlegen

Auswahl, Detailpunkte und Verarbeitungsfolge schriftlich.

5Ausführung

Geschulter Fachbetrieb aus dem Netz, auf Wunsch mit uns bei Baubeginn.